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Albrecht Kresse auf der ATD Conference 2019. Tagebuch, Tag 4.

Der vierte Tag fängt schon mal mit einer nicht so freudigen Überraschung an: Uber zeigt uns, was Dynamic Pricing bedeutet. Zehn Dollar mehr für die gleiche Strecke wegen hohen Verkehrsaufkommens. Das stimmt tatsächlich, und wir kommen ziemlich knapp beim Kongressgebäude an. Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig in den Workshop zum Chatbot-Design von Vincent Han, der, wie ich erst im Laufe der Veranstaltung merke, der CEO von Mobile Coach ist. Er ist ein berufener Chatbot-Experte.

 

ATD Conference 2019

Schon im frühen Alter, 1980, schrieb er quasi seinen ersten Bot im Computerprogramm Basic (die Älteren werden sich vielleicht erinnern) und versuchte damit, seine Klassenkameraden zu begeistern. Hat nicht so richtig geklappt, denn es ging um Mathematik, seine Leidenschaft. Mit dem MIT-Absolventen habe ich etwas gemeinsam: Nicht meine Mathekenntnisse, aber auch er hat Schwierigkeiten mit dem User Interface zum Beispiel von Snapchat oder Slack, weil das für Menschen unserer Generation nicht unbedingt intuitiv ist. Und darauf kommt es bei einem guten User Interface an.

Warum erzähle ich das? Wer einen Chatbot designt, der muss seine Zielgruppe kennen. Und dann ist ein textbasiertes Interface, das an einen Messenger-Dienst erinnert, wahrscheinlich oft die passendere Variante. Insofern sind wir mit unserem Schweizer Partner Eggheads auf einem guten Weg.

Wir bekommen zwölf Tipps, die ich hier nicht alle aufzählen will, und wir könnten sogar live mit dem Chatbot kommunizieren. Mein T-Mobile-Zugang verhindert das allerdings. Ich bin auf jeden Fall deutlich schlauer geworden, denn am Ende ist ein Chatbot aktuell immer eine vorprogrammierte Kampagne, die dann automatisiert und variantenreich ausgeliefert wird. Wirklich KI-basierte Chatbots kann man, wenn überhaupt, nur mit riesigen Nutzerzahlen verwenden. Da müssen wir noch ein bißchen warten, bis so etwas für kleinere Trainingsgruppen angeboten wird und auch erschwinglich ist.

Zwei ernüchternde Workshops

Zwei weitere Workshops begeistern mich nicht, sodass ich die Veranstaltung vorzeitig verlasse. Beim einen geht es um Learning Journeys für Führungskräfte. Da kann ich ganz selbstbewusst sagen, wir sind hier deutlich weiter. Auffallend ist allerdings nicht nur bei diesem Programm, sondern auch bei anderen: Die Präsenztrainings sind fast immer nur noch mit einem Tag Länge angegeben.

Der zweite Workshop behandelt das Thema User Generated Content und Peer-to-peer-Lernen mit Video. Ein internationaler Automobilzulieferer aus Irland zeigt hier seine eigenen Erfahrungen. 70 Prozent der Videos werden von ganz normalen Mitarbeitern, die keine inhaltlichen Experten sind, erstellt, und so sind knapp 2.000 Videos in den letzten zwei Jahren entstanden. Interessant war, was ich auch immer wieder bei anderen Anbietern im Bereich Video-Peer-to-peer-Coaching höre: Die meisten Lerner erstellen des Video vier- bis fünfmal, bis sie eine Version haben, mit der sie zufrieden sind und die sie dann auch tatsächlich hochladen. Und insofern ist die Produktion eines Videos natürlich eine wunderbare Lerneinheit mit entsprechender Anzahl von Wiederholungen.

Wie lautet eine alte Weisheit? Willst du etwas lernen, beginne es zu lehren. Oder neudeutsch: Produziere ein Video.

Aus deutscher Perspektive gibt es hier natürlich viele Fragen, die wieder einmal das Thema Datenschutz und Rechte am eigenen Bildmaterial betreffen. Und die Frage: Kann denn jedes Video einfach freigegeben werden? Jeff Fissel, der die Session verantwortete, hatte hier eine ganz pragmatische Antwort: Videos sind doch nur neue Medientypen genau wie PowerPoint. Kontrolliert ihr jede PowerPoint, die auf euren Servern landet? Wahrscheinlich nicht. Ein wichtiger Trend beim Thema Video: Die automatische Übersetzung, die meistens auf Google Translation beruht und gelegentlich dann noch einmal nachgebessert wird.

In der Ausstellung ist es schon merklich leerer geworden. Nicht nur wir sind erschöpft, sondern auch die meisten Mitarbeiter auf den Ständen. Wir haben gute Gespräche bei Area9, einem dänischen Plattformanbieter für Adaptive E-Learning, der mit einem wunderschönen Design zu überzeugen weiß, und Padcaster, einem einfachen Set-up, um mit dem iPad Videos zu produzieren. Das kann man sich so auch alles selbst zusammenbasteln, aber ich spiele mit dem Gedanken, mir doch einmal das komplette Set zu bestellen.

Präsentationstraining mit VR-Brille

ATD Conference 2019In der Ausstellung habe ich auch eine VR-Anwendung ausprobiert: Präsentationstraining mit VR-Brille. Das Publikum ist am Rechner erstellt und erinnert an handelsübliche Darstellungen aus aktuellen Games. Ich bin aufgefordert, vom Teleprompter einen Vortrag abzulesen. In der linken Hand muss ich ein Mikro halten und der in der rechten einen sehr merkwürdigen Presenter. Mit beiden habe ich so meine Schwierigkeiten. Und in der anschließenden Auswertung, bei der ich immerhin 76 von 100 Punkten habe, wird mir dann gezeigt, wie oft das Mikro zu niedrig war und dass ich die rechte Hand zu wenig für die Gestik eingesetzt habe. Logisch, wenn man so viel Kram in der Hand hält, den man eigentlich gar nicht braucht. Und die Heatmap vom Publikum zeigt mir, ich war ein wenig linkslastig in meinem Blickkontakt. Füllwörter werden automatisch ausgelesen und gezählt. Und das Ganze quasi in Echtzeit. Eine interessante Spielerei, für die ich 5.000 Euro investieren müsste, um sie mal in meinen Trainings einzusetzen. Das werde ich wohl nicht machen. Und ich gestehe, ich glaube, viele andere werden es auch nicht tun.

Canvas Design

Mein letzter Workshop ist dann tatsächlich ein Workshop. Hier geht es um Canvas Design, und 34 Prozent der Teilnehmer im Raum arbeiten schon mit Templates. Hier gibt es jede Menge Teilnehmer, die nicht nur über Templates staunen, sondern auch über Stattys, die elektrostatischen Notizen, die es mittlerweile unter anderer Bezeichnung natürlich auch bei Neuland gibt und die hier das internationale Publikum überraschen.

Ansonsten bestätigt mich der Workshop in unserer Vorgehensweise, und ich freue mich auf die Mail mit der Liste der 50 meist verwendeten Templates weltweit. Ich bin gespannt und werde weiter daran arbeiten, das wir dann auch mal auf dieser Liste landen.

ATD Conference 2019 ATD Conference 2019

Der Abschluss findet in der großen Halle statt. Und nach einer vollkommen misslungenen und überflüssigen Moderation eines ATD Board Members im Outfit eines Oberkellners kommt Eric Whitacre auf die Bühne, ein extrem sympathischer Komponist und Dirigent, der vor zehn Jahren ein revolutionäres Experiment gewagt hat, das seitdem immer weiterentwickelt wird:

Ein virtueller Chor

Tausende von Menschen auf der ganzen Welt singen zu Hause vor ihrem Rechner Passagen von Whitacres Kompositionen ein, angeleitet von einem Video auf YouTube ohne Ton, bei dem Whitacre das Stück dirigiert, das er zu diesem Zeitpunkt nur in seinem Kopf hört (Beethoven lässt grüßen). Dann wird das Ganze in monatelanger Arbeit bearbeitet, zusammengeschnitten und schließlich aufgeführt, zum Teil in Kombination mit Live-Performance.

Das könnt ihr euch auch bei TED anschauen, wo er einen viel beachteten Auftritt hatte, als das Ganze sogar unbearbeitet live mit Menschen aus der ganzen Welt passierte. Ein ungewöhnlicher Abschluss, der dann mit einem genau solchem Experiment live endete und echtes Gänsehaut-Feeling erzeugte. Ein echter Höhepunkt und würdiger Abschluss, der dann leider wieder vom ATD-Oberkellner getrübt wurde, der unbedingt noch einmal auf die Bühne musste, um ein paar Mal „Incredible“ zu sagen und uns eine sichere Heimfahrt zu wünschen.

ATD Conference 2019

Die treten wir noch nicht an, sondern ich bleibe noch zwei Tage in Washington und schaue mir jetzt endlich mal an, was es hier in dieser Stadt zu sehen gibt. Keine Angst, vom Touristenprogramm werde ich an dieser Stelle nicht berichten. Details zu den einzelnen Inhalten gibt es im Webtalk (jetzt anmelden).

Wer Fragen zu besonderen Themen hat, kann diese natürlich schon vorher per Mail einreichen.
Bis bald, euer Albrecht

 


In einem einstündigen Webtalk berichtete Albrecht Kresse von seinen Erfahrungen aus der ATD Conference, stellte Ihnen die neuesten Tools und Trends vor und gab einen Überblick, was uns in den nächsten Jahren zum Thema Learning Design erwartet.
Der Webtalk ist bereits vorbei! Sie können aber up to date bleiben, indem Sie uns Ihre E-Mail-Adresse geben. Sie erhalten dann zweiwöchentlich eine E-Mail mit neuesten Artikeln, einem Lernimpuls und aktuellen Terminen.