Vergangenen Samstag war die 1. Berliner Rednernacht, organisiert von GedankenTanken, zu der ich als visueller Zusammenfasser eingeladen war. Im folgenden finden Sie eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Beiträge – diesmal in schriftlicher und visualisierter Form.

gedankentanken-visuelle-zusammenfassung-0174

Karsten Brocke

Nach einem Einstieg mit einem Rückblick aus dem Jahr 2055, der die meisten echten Berliner wahrscheinlich schockiert haben dürfte – nicht nur wegen der vielen Schwaben in Berlin – startete Karsten Brocke mit einem neuen Blick auf das Thema Verkaufen. Seine These: Verkaufen gibt es gar nicht, denn letztlich kauft der Kunde. Deshalb gibt es auch keinen Verkaufsprozess.

Stattdessen geht es darum, den anderen – eigentlich das Gehirn des anderen – zu aktivieren. Die meisten Verkäufer tun sich schwer damit, den Inhalt ihrer Tätigkeit schlüssig und prägnant zu formulieren. Das bewiesen auch die spontanen Interviews im Saal. Irgendwie scheint das neue „Nicht-Verkaufen, sondern aktivieren“ wie flirten zu funktionieren. Und wie das geht, verrät Karsten wahrscheinlich in seinen Trainings.

gedankentanken-visuelle-zusammenfassung-0175

Raul Krauthausen

Dann vermittelte Raul Krauthausen einen sehr eindringlichen Blick auf das Thema Inklusion. Er stellt fünf Mythen zum Thema Inklusion vor:

  • Dass sie eine Utopie sei, dass Kinder mit Behinderungen Schonräume bräuchten,
  • dass behinderte Kinder in normalen Schulen gehänselt würden,
  • dass Inklusion nur mit einigen Behinderungen funktionieren würde und
  • dass nicht behinderte Kinder durch die Zusammenarbeit mit behinderten Kindern benachteiligt würden.

Das alles übrigens Argumente, die in den 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts verwendet wurden, um das gemeinsame Lernen von Mädchen und Jungen zu verhindern. Rauls Forderung „All inklusive or nothing“ konnten sich am Ende wahrscheinlich die meisten im Saal vorbehaltlos anschließen. Ein überzeugender und im wahrsten Sinne des Wortes bewegender Auftritt.

gedankentanken-visuelle-zusammenfassung-0176

Bill Mockridge

Anschließend kam Bill Mockridge, der uns einen neuen Blick auf das Alter gab. Die 5-L-Methode: Laufen, Laben, Lieben, Lachen, Lernen. Wer das beherzigt landet nicht wie Bills Opa bei Oma im Sessel, sondern hat einen erlebnisreichen Unruhestand. Bill war das beste Beispiel, dass dies offensichtlich ein erstrebenswertes Ziel ist. Er lebt heute gesünder und bewusster als vor zwanzig Jahren.

Er isst nicht nur weniger, sondern besser. Statt in der Vergangenheit zu schwelgen, trainiert er sich in neuen Kompetenzen und nutzt dafür ganz gezielt Internet und Smartphone. Mit letzterem können sich die jungen Alten dann wahrscheinlich auch per Dating App verabreden und zwar nicht nur zum Kuscheln, wie Bill uns glaubwürdig anvertraute.

gedankentanken-visuelle-zusammenfassung-0177

Jack Nasher

Jack Nasher entlarvt die Lügner und zeigte uns, wie wir das ebenfalls können. Wir lügen etwa 30- bis 40-mal am Tag. Stimmt das? Ich natürlich nie. Und das war schon wieder eine Lüge. Natürlich nur eine kleine. Große echte Lügen sind glücklicherweise seltener, aber angeblich gibt es davon auch bei jedem von uns bis zu sechs am Tag.

Es kommt erstens laut Jack darauf an, die Lüge zu erkennen und dann die Wahrheit zu finden. Lügner kann man an körperlichen Reaktionen erkennen, wie wir am Beispiel des berühmten Videos mit Bill Clinton sehen konnten. Häufiges Blinzeln ist beispielsweise ein Zeichen, dass da etwas nicht stimmt. Stottern, Wiederholungen und eine höhere Stimme ebenfalls.

Will man den Lügner zur Wahrheit bringen, kommt es darauf an: erstens Konsequenzen anzudrohen und zweitens zu behaupten, man sei ein großer Experte darin, Lügen zu erkennen. Schließlich geht es darum, die Alternative anzubieten: Himmel oder Hölle und die moralische Amnestie. Das heißt zu zeigen: So schlimm war es wahrscheinlich gar nicht, ich hätte in einer ähnlichen Situation möglicherweise genauso gehandelt. So lädt man den Lügner ein, auf den Pfad der Wahrheit zurückzukehren. Das tun angeblich auch die meisten Politiker, denn laut Jack Nasher wird deutlich weniger gelogen als in früheren Zeiten. Stimmt das wirklich?

gedankentanken-visuelle-zusammenfassung-0178

Stefan Frädrich

Dann kam der Meister selbst, Stefan Frädrich, mit seinem besten Freund Günter auf die Bühne. Wie wir erfuhren, heißt Günter deshalb so, weil es Stefans zweiter Vorname ist. Im Saal gab es noch zwei weitere Günter, die die Günter-Story hoffentlich nicht persönlich nehmen, zumindest nicht die Wahl des Namens, denn: alle anderen dürfen sich natürlich weiterhin sehr gerne mit dem Günter-Prinzip identifizieren, der Geschichte vom inneren Schweinehund, den es zu zähmen gilt, um seine Lebensziele zu erreichen.

Egal, ob es um Führung, Gesundheit, Motivation oder Verkaufen geht, immer steht Günter im Weg. Stefan erzählte uns nicht die Prinzipien des Günter-Prinzips, sondern die Prinzipien des Erfolgs. Wie schafft man es, nicht nur eine Buchidee zu entwickeln, sondern auch ein Produkt, das so erfolgreich ist, dass die Bücher mittlerweile in viele Sprache übersetzt werden und die verkaufte Auflage inzwischen bei mehr als einer Million Exemplaren liegt?

Die Antwort ist wieder einmal die alte Story: Auch einem Sonnenschein wie Stefan fällt der Erfolg nicht zu, sondern er ist hart erarbeitet gegen viele Widerstände. Erst das Buch im Selbstverlag herausgebracht und dann schließlich den GABAL Verlag gefunden. So lautet ein schönes Märchen, das Realität wurde. Was wir daraus lernen können? Glaube an deine Ideen, beachte nützliches Feedback, lass dich nicht von den Skeptikern entmutigen, erwarte Widerstand und Misserfolge und mache es am Ende trotzdem. Was sagt dein Günter dazu?

gedankentanken-visuelle-zusammenfassung-0179

Klaus-Jürgen Deuser

Schließlich trat ein Knacki auf die Bühne: Klaus-Jürgen, genannt Knacki Deuser. Ein humorvolles und kreatives, ironisches und manchmal auch zynisches Feuerwerk an Pointen und Gedanken. Die Deutschen haben zu viel Angst und zu wenig Humor, der kein genetischer Defekt ist. Statt uns weiter vor Naturkatastrophen zu fürchten, die es in Deutschland nie gegeben hat, sollten wir uns lieber trauen, Neues auszuprobieren.

Gefragt sind die humorvollen Macher, die Lust machen, mitzumachen. Und sein Schlussplädoyer, kombiniert mit einer anspruchsvollen und perfekt choreografierten Jonglage, hat die These widerlegt, dass Männer nicht multitaskingfähig wären. Die Antithese zu seinem humorvollen Beitrag lieferte Knacki auch, ein Zitat von Heiner Müller: „Optimismus ist ein Mangel an Informationen.“ Heiner Müller ist schon tot und hatte offensichtlich wenig gute Laune.

gedankentanken-visuelle-zusammenfassung-0180

Felix Klemme

Felix Klemme zeigte uns, wie er seine Redeangst überwunden hat und was wir daraus lernen können, wenn wir gesünder leben wollen. Denn so wie Felix‘ Redeangst auf gut gemeinte, aber wenig nützliche Einflüsse in seiner Vergangenheit zurückzuführen ist – und zwar aus seinem sogenannten Natural Network, bestehend aus Familie, Freunden, Mitschülern und Mitstudenten – so liegt der Grund, weshalb wir gerne zur Schokolade greifen, auch oft in unserer Vergangenheit.

Die Süßigkeiten auf unseren Stühlen waren von Felix ein zweifelhaftes Geschenk, wie er uns am Ende selbst mitteilte. Wer Schoki isst, hat letztlich Angst, so Felix‘ These.

Eva-Maria Jadzejewski

gedankentanken-visuelle-zusammenfassung-0181Eva-Maria Jadzejewski lieferte ein Feuerwerk zum Thema Improvisation im Alltag. Grundsätzlich gibt es zwei Typen: Die einen sind traurig, wenn sie improvisieren müssen, die anderen freuen sich, wenn sie improvisieren dürfen und dies auch können. Wir wurden aufgefordert, zur letzten Kategorie zu zählen, und bekamen dafür auch ein paar Tipps mit. Erstens: Sag ‚Ja‘ zur Situation. Zweitens: Setze klare Impulse. Drittens: Die Szene geht vor, mach das Beste darauf im Hier und Jetzt.

Wir fragen uns, was wird wohl aus Andreas und Beate, und erinnern uns an die Geschichte von Ella, die allen gerne Hallo sagt.

gedankentanken-visuelle-zusammenfassung-0182

Monika Matschnig

Monika Matschnig gab uns einen Einblick in die Sprache, die alle sprechen, aber nur wenige verstehen: die Körpersprache. Es gibt 6.000 verschiedene Sprachen auf diesem Planeten, aber nur eine Körpersprache. Wenn Inhalt und Körpersprache nicht übereinstimmen, zählt die Körpersprache mehr als das gesprochene Wort.

Die gute Nachricht: Die Wirkung lässt sich verändern. Und auch Psychologinnen können einen Partner finden, wie Monika in einer sympathischen Anekdote von der Akquise ihres Lebenspartners erzählte. Schon am Händedruck lässt sich erkennen, wer den Cheftest bestanden hat, und mit der richtigen Geste lassen sich vielleicht auch unsere Kinder dazu bewegen, wirklich ihr Zimmer aufzuräumen. Ob das wirklich so einfach mit Körpersprache funktioniert, erschien den meisten im Saal allerdings fraglich. Frage: Hat Monika Matschnig Kinder?

gedankentanken-visuelle-zusammenfassung-0183

Thaddaeus Koroma

Dann kam ein zwar noch junger, aber hell strahlender Stern am Motivationstrainerhimmel auf die Bühne: Thaddaeus Koroma. Da kamen dann endlich auch die Damen auf ihre Kosten. Aus gut informierten Kreisen wurde verlautet, dass Thaddaeus vor seinem Auftritt extra noch ein paar Pushups gemacht hat. Wahrscheinlich nur um seine Aufregung zu überspielen. Sein Tipp zum Thema Motivation: Mach es einfach.

Erstens: Brenne für deine Vision und deine Ideen.

Zweitens: Sei bereit für den Test, den Widerstand, der unweigerlich kommen wird.

Und sein dritter Tipp beschäftigte sich mit dem Unterschied zwischen 99 und 100 Prozent. Wie groß ist der Unterschied? Alle, die versucht haben, sich auf den Stuhl nur fast zu setzen, wissen es: Er beträgt 100 Prozent. Nicht mathematisch korrekt, aber laut Thaddaeus Koroma in der Praxis überprüft. Und die Formel stammt von seinem Baskeballtrainer aus dem USA.

Was wir auch noch lernten, war: 70 Jahre Lebenszeit bestehen aus knapp 600.000 Stunden. Vier davon haben wir bei der Rednernacht in Berlin verbracht. Mit vielen guten Ideen.

gedankentanken-visuelle-zusammenfassung-0184

Jörg Alexander

Jörg Alexander zeigte uns, dass die die Realität nicht unbedingt das ist, was wir wahrnehmen. Das zeigte sich nicht nur beim Thema Geld, sondern am Ende auch bei der Frage: Wie kam der Ring an Jörg Alexanders Schlüsselbund? Vielleicht sollten wir uns das Video noch mal anschauen und sehen, ob wir den Trick erkennen.

Danach gab’s die Zusammenfassung, die Sie hier noch einmal gelesen und betrachtet haben. In etwas anderer, noch kürzerer Form.  Ich wünsche viel Erfolg mit den Gedanken, die Sie in Berlin getankt haben. Sofern Sie dabei gewesen sind.


Holen Sie sich Impulse für Ihren Lernerfolg. Mit der edutrainment „Jahreskarte“.

  • Hochwertiger Lerninhalt aus 12 Business Skills
  • Alle zwei Wochen kostenlos in Ihrem Postfach
  • Keine Termine (kostenlose Webtalks & Workshops) mehr verpassen
  • Alle Inhalte sind speicher- und archivierbar
  • Ausgewählte Links zu aktuellen Themen aus Training, Innovation, Personalentwicklung
  • Persönlich und absolut kurzweilig geschrieben
  • Jederzeit abbestellbar und ohne Kosten und Verpflichtungen verbunden


Bitte beachten Sie unseren Datenschutzhinweis.

3 Kommentare

Was ist Ihre Meinung?