Warum Live-Online-Trainings die Zukunft der Trainingsbranche sind

Ich gelte seit März schon als Live-Online-Trainingsenthusiast. Ja, es stimmt, ich habe in den letzten sieben Monaten knapp einhundert Live-Online-Trainings durchgeführt. Wir haben ein Studio aufgebaut, mit dem wir wirklich sehr gute dieser interaktiven Trainings möglich machen können. Und ich kann sagen, diese sind keine Notlösung, sondern eine absolut bereichernde Erweiterung unseres Trainingsspektrums. Und die Postings, die ich in den letzten Wochen beobachten konnte zum Thema „Super, wir führen wieder Präsenztrainings durch oder Workshops oder Seminare“ bestätigen mich in dem Artikel, den ich schon im Juni gepostet habe. Viele dieser Bilder sehen aus wie aus den 90er-Jahren.

Da muss ich leider sagen, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich unbeliebt mache: Um diese Art von Veranstaltung ist es nicht schade. Und es ist geradezu absurd, wenn begnadete Präsenztrainerinnen und -trainer dazu gezwungen werden, unter Corona-Auflagen Steinzeitdidaktik zu betreiben.

Live Online Trainings im Studio

Nun sind Präsenztrainings schon wieder absolut Geschichte. In den letzten zwei Wochen wurde bei uns alles storniert, was für November und Dezember wieder in Präsenz gedacht war. Wobei storniert das falsche Wort ist: Wir wandeln es um in Live-Online-Trainings. Und ich muss ein bißchen schimpfen, denn viele dieser Kunden hatte ich immer wieder gefragt: Seid ihr sicher, dass es wirklich in Präsenz stattfindet? Das Prinzip Hoffnung hat in vielen Fällen viel Geld gekostet, denn Hotels mussten storniert werden. Und nicht immer gelingt das kostenfrei. Ehrlich gesagt kann ich die Hotels hier auch gut verstehen: Die Stornogebühren sind momentan ihre einzigen Einnahmen.

Der langen Rede kurzer Sinn: Auf Präsenztrainings zu hoffen, macht für das nächste halbe Jahr keinen Sinn. Immer mehr Unternehmen entscheiden sich dazu, auf eine Online-Only-Strategie umzuschalten. Präsenztrainings, Seminare, Workshops werden überhaupt nicht mehr geplant. Das ist eine krasse Veränderung, eine echte Disruption. Denn wenn in einem Unternehmen ein Jahr lang oder länger kein einziges Präsenztraining mehr stattgefunden hat, ist klar: Hier haben sich Strukturen verfestigt.

Präsenztrainings sind ein Auslaufmodell

Präsenztrainings werden ab 2022 ein wichtiges Format sein, aber kein Standard mehr. In manchen Unternehmen sogar eine Ausnahme. Darauf müssen sich alle Akteure innerhalb der Learning & Development-Community einstellen. Eine krasse Veränderung.

Daraus folgt:

  1. Wir müssen alle richtig gut Live-Online-Trainerinnen und -Trainer werden.
  2. Wir brauchen dafür das notwendige Setup: technisch, methodisch. Die Anforderungen daran werden weiter wachsen. Wie immer sind es die amerikanischen Supertrainer, die hier voranschreiten, zum Beispiel Tony Robbins. Schaut euch mal an, was der online macht. Und es gibt auch schon einige deutsche Kollegen mit zweifelhaften Leumund, die aber technisch durchaus als Vorbild dienen können.
  3. Wir müssen unsere Trainingskonzepte komplett umstellen. Ein Präsenztraining lässt sich nicht einfach eins zu eins live online umsetzen. Die Zeitpläne ändern sich. Zweimal acht Stunden ergeben keinen Sinn. Manche Übungen funktionieren nicht, andere dafür besser. Kurzum: Jedes Training will neu designed werden.

Genau das findet momentan in manchen Unternehmen statt. Für freiberufliche Trainerinnen und Trainer oder Agenturen bedeutet dies: Neukonzeption müssen wir uns auch bezahlen lassen. Hier mangelt es manchen Auftraggebern noch an Verständnis.

Neue Rollen braucht das Land

Neue Rollen

Mein Credo seit März: Wir brauchen eine neue Rolle bei Live-Online-Trainings, -Seminaren, -Schulungen und -Workshops, nämlich den technischen Moderator oder die technische Moderatorin. Einer allein kann das nicht stemmen. Je interaktiver die Veranstaltung, umso überforderter ist eine Person. Wir brauchen einen zweiten Akteur, der das Tool überwacht, die Gruppen einteilt, technische Probleme löst, manche Tools vorstellt, im Vorfeld schon dafür sorgt, dass man schon beispielsweise zum Tenant des Kunden in Microsoft Teams eingeladen wird, etc. Und hier gilt es, dass wir diese neue Rolle alle aktiv promoten.

Dabei geht es gar nicht um den Umsatz, denn für uns als Agentur bin ich schon froh, wenn ich gute technische Moderatoren finde. Ich möchte gar nicht daran verdienen. Es geht darum, dass alle speziell in den Unternehmen diese Notwendigkeit verstehen. Kein Mensch ist multitaskingfähig, auch Trainerinnen und Trainer nicht. Und wenn wir versuchen, das Tool, unser technisches Setup im Studio und das Training selbst gleichzeitig zu steuern, überfordern wir unser Gehirn.

Wenn der Kunde nicht bezahlt, was eigentlich notwendig ist, landet man bei vielleicht perfekt geplanten, aber eher weniger interaktiven und keinesfalls flexiblen Live-Online-Erlebnissen. Und daran hat keiner ein Interesse, weder die Teilnehmenden noch die Trainerinnen und Trainer noch der Auftraggeber. Eigentlich haben wir hier alle die gleichen Interessen – wir wissen es nur noch nicht.

Live Goes Online – Meetings, Präsentationen, Seminare online erfolgreich durchführen

Live Goes Online

Live Goes Online: Wer bei diesem Titel denkt, da ist doch das V falsch und müsse durch ein F ersetzt werden, liegt gar nicht so falsch, denn letztlich ist auch unser ganzes Leben dabei, online stattfinden. Bei Live Goes Online geht es um die Live-Kommunikation in Gesprächen, Meetings, Präsentationen, Konferenzen, die anfangs durch Corona bedingt, aber inzwischen auch aus praktischen Erwägungen immer mehr online stattfindet.

Albrecht Kresse und Jannis Herzog haben ihre Erfahrungen aus den letzten sechs Monaten in einem Praxisratgeber zusammengefasst, der uns allen zeigt, wie Live-Online-Kommunikation funktioniert.

  • Wie stelle ich mich selbst professionell online dar?
  • Wie funktionieren gute Live-Online-Meetings, egal welches Tool ich gerade nutze?
  • Wie kann ich mich selber fitter machen in meiner Online-Kommunikation?
  • Wie präsentiere ich meine Inhalte in Online-Meetings professionell, überzeugend und auch technisch einwandfrei?
  • Und wie verändert sich unsere Arbeitswelt durch die Verlagerung von Telefonaten und persönlichen Vor-Ort-Gesprächen, Meetings in den virtuellen Raum?

Darum geht es im Buch „Live Goes Online“, das sich an alle richtet, die sich spätestens seit März 2020 beruflich immer häufiger oder sogar täglich in der Live-Online-Kommunikationswelt bewegen.


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