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Albrecht Kresse auf der ATD Conference 2019. Tagebuch, Tag 1.

Washington im Mai 2019. Meine Wetter-App hatte mich vorgewarnt, aber irgendwie hatte ich keine realistische Vorstellung von 27 Grad. Washington ist also nicht nur warm, sondern richtig heiß, und ich bin erst mal nach einem sehr entspannten Flug sehr müde. Am Sonntag geht es dann richtig los. Ich bin noch nicht sicher, ist das jetzt Pre-Conference oder schon Conference?

Auf jeden Fall starte ich mit einem Vortrag, in dem es um Gehirnforschung, Gedächtnis, Lernen und Überzeugen geht. Carmen Simon hält einen sehr guten Vortrag, der von Anfang an durch unglaublich schöne und intelligent gestaltete Folien und Filme besticht. Am Ende ist klar: Das ist auch das Kerngeschäft von ihrem Unternehmen.

Die berühmten 10 Prozent

Slideclub.com ist ein Teil davon: Hier kann man sich Folien runterladen, die wirklich wissenschaftlich getestet sind. Ihre Botschaft: 90 Prozent vergessen unsere Teilnehmer. Sie bittet ausdrücklich darum, unsere häufig verwendete Aufzählung,

  • wir würden 10 Prozent von dem behalten, das wir hören,
  • 20 oder 30 Prozent von dem, was wir sehen,
  • 50 Prozent hören und sehen und
  • 90 Prozent, was wir selber getan hätten,

zu vergessen. Am Ende bleiben nur 10 Prozent, und es kommt darauf an, wie wir diese 10 Prozent planen. Damit nisten wir uns in das Gehirn unserer Teilnehmer – vielleicht auch unser Kunden – ein. Von dort bearbeiten wir sie weiter mit schlauem Marketing oder Transferstrategien. Das war der wesentliche Inhalt ihres Vortrags. Letztlich wollen wir ja, dass Menschen ihr Verhalten ändern. Dafür müssen wir einen zentralen Gedanken in ihrem Gehirn etablieren und dafür sorgen, dass schön viel Dopamin ausgeschüttet wird. Denn Dopamin sorgt für die entscheidende Veränderung, denn wir haben die Aussicht auf Lustgewinn und Belohnung. Und dann verändern wir unser Verhalten.

Glücksspiel als Transfermethode?

Dafür gibt es jede Menge Beispiele, die sie auch vorgestellt hat. Und das Besondere daran: Schon die Aussicht auf eine Belohnung sorgt für die Dopamin-Ausschüttung und wird noch erhöht um knapp 100 Prozent, wenn die Belohnung dann nicht immer erfolgt und wir gar nicht genau wissen, wann sie da ist und wann nicht. Was das für unsere Trainings bedeutet, muss ich mir noch überlegen. Gamification Experten wissen natürlich damit etwas anzufangen, denn das ist genau das Muster, mit dem Glücksspiel funktionieren. Glücksspiel als Transfermethode?

Mixed Reality

Während ich noch darüber nachdenke, mache ich mich auf zum nächsten Vortrag. Beziehungsweise Workshop. Hier heißt es ja meistens Workshop, obwohl es doch nur ein Vortrag ist.

Nick Floro scheint ein amerikanischer Verwandter des früheren deutschen TV-Moderators Dieter-Thomas Heck zu sein, der für seine Schnellsprechtechnik bekannt war. In knapp einer Stunde liefert er Content für einen Tag zum Thema Trends im Bereich Digital Learning. Er hat seine Trends in sechs Kapitel gegliedert.

  1. geht es um den Content,
  2. um Gamification,
  3. um die persönliche Lernumgebung, hier im Wesentlichen auch um Social Learning,
  4. Personalisierung, im Wesentlichen um Adaptive Learning,
  5. um Experiences und
  6. um neue virtuelle Technologien, die er beyond the screen zusammenfasst.

Und ich lerne, dass es nicht nur Augmented und Virtual Reality gibt, sondern mittlerweile auch Mixed Reality. Und Nick, der schon seine Spieleaffinität aus seiner Kindheit mit uns geteilt hat, ist schlichtweg begeistert von den neuen Möglichkeiten und auch des Gamings im Holodeck. Er stellt eine Menge Tools vor und teilt wirklich viele seiner Erfahrungen und Ressourcen.

Ich lerne wieder einmal, dass ich mir die Entwicklung von Tools regelmäßig anschauen muss. Mir war beispielsweise neu, dass Pixar auch mit der Khan Academy kooperiert und es dort Pixar in a Box gibt, coole Videos und weiterer Content, der zum Beispiel zeigt, wie Storytelling funktioniert. Bei der Khan Academy absolut kostenlos. Viel Spaß! In besagtem Workshop traf ich auch Axel Rachow, der auch ein regelmäßiger Besucher der ATD Convention ist.

Machine Learning & KI

Ich besuchte danach einen Workshop, der wirklich auch ein bisschen interaktiv war. Hier ging es um Machine Learning, künstliche Intelligenz und wie sie unsere Arbeit verändert. Wieder tauchten die Statistiken auf, die ich schon letztes Jahr gesehen hatte.

Die eigentliche Botschaft: Wer im Bereich Learning arbeitet, wird nicht sofort von künstlicher Intelligenz ersetzt. Die Story gab es schon letztes Jahr, und ehrlich, viel mehr gab es diesmal nicht, außer dass es natürlich weitergeht und beide Lager nach wie vor vorhanden sind. Die einen finden das ganz furchtbar, was da passiert, die anderen sehen nur die Möglichkeiten. Daher war die einzige Botschaft: Nehmt die Leute mit. Und dann sind wir auch beim Thema Einführung von künstlicher Intelligenz bei der guten alten Erkenntnis, dass man die Leute da abholen muss, wo sie stehen. Manche sind gedanklich leider noch in den 90er- oder in den 2000er-Jahren.

Das Thema Recruiting kommt auch nicht zu kurz

Eine neue Studie zum Thema Recruiting sagt: Knapp 50 Prozent unserer Stellenbeschreibungen sind absolut falsch, überflüssig, bilden weder die gelebte Realität noch die Zukunft ab. Insofern muss herausgefunden werden, welche Leute hier tatsächlich benötigt werden und ob das bei in der Stellenausschreibung auch momentan beschrieben wird. Denn die ganzen Lernkonzepte leiten sich ja sehr häufig auch aus den Kompetenzmodellen und Job Descriptions ab. Und das ist ein Problem. Wir müssen Leute fit machen für eine Welt, die wir noch gar nicht kennen

KI, Adaptive Learning & Chatbots

Anschließend saß ich an einem Tisch mit lauter Niederländern. Und mir begegneten dann zwei Tools wieder, Drillster und A New Spring, die beide aus den Niederlanden kommen: Künstliche Intelligenz nutzen und auch Adaptive Learning. Am Tisch wurde auch deutlich mit meiner Nachbarin, welches Riesenthema Chatbots sind. Sie stellte fest: „Mensch, ich habe doch Kollegen bei mir im Unternehmen, die kümmern sich um Marketingplattformen. Dort gibt es jede Menge Chatbots, die wir auch schon einsetzen.“ Wahrscheinlich sollte ich mich mal mit denen unterhalten, statt hier in diesem Workshop oder andernorts nach neuen Lösungen zu suchen. Manchmal liegt das Gute ja so nah. Auch die künstliche Intelligenz.

Learning Design & Learner Journeys

Zum Abschluss ging es dann um eines meiner Leib- und Magenthemen, nämlich Learning Design und die Entwicklung von Learning Journeys statt Lernevents. Zwei sehr sympathische Briten mit trockenem Humor brachten jede Menge Beispiele für Learning Journeys und eine sinnvolle Abkehr von einzelnen Events, von denen fast alles vergessen und nichts umgesetzt wird. Sie zeigten nicht nur Beispiele, sondern sogar ganz pragmatische Problem- und Lösungsideen mit einer Matrix, die genau zeigt, wann man für welche Herausforderung welche Lösung einsetzen sollte. Coaching ist nicht immer das richtige Mittel der Wahl. Und für die Angst der Umsetzung am eigenen Arbeitsplatz sind Push-Nachrichten mit schönen Tipps wahrscheinlich nicht die richtige Methode, sondern hier muss natürlich die Führungskraft ran, und am besten trainiert man dann die Leute auch im Team. Nicht alles neu, aber dankenswerterweise pragmatisch und mit Humor vorgetragen.

Und die Journey war eigentlich eine sehr kurze Reise. Ich merkte wieder mal, manchmal habe ich vielleicht auch in Terminen mit meinen Kunden zu viele Ideen, zu viel Content und mache es etwas zu komplex. Das war auch schon die Botschaft vom ersten Vortrag am Anfang des Tages gewesen.

ATD Conference 2019

Insofern habe ich schon aus dem ersten Tag viele Ideen, Bestätigung und Anregung für meine eigene Arbeit mitgenommen. Und Jannis, der diesmal auch dabei war, hatte eine 50-50-Quote: Zwei Vorträge, die ihn begeistert haben von Präsentations- und PowerPoint-Gurus, und zwei Vorträge, von denen mindestens einer von Ausstellern war und die ähnlich begeisterten wie der deutsche Beitrag zum Eurovision Song Contest. Das soll ja nicht so gut gelaufen sein.

Morgen starten wir mit Oprah Winfrey. Wir müssen wohl nicht ganz so lange Schlange stehen wie letztes Jahr beim Barack Obama. Ab 7:30 Uhr ist Einlass. Wir sind gespannt.

 


In einem einstündigen Webtalk berichtete Albrecht Kresse von seinen Erfahrungen aus der ATD Conference, stellte Ihnen die neuesten Tools und Trends vor und gab einen Überblick, was uns in den nächsten Jahren zum Thema Learning Design erwartet.
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